8. Wege wie man als Mensch mit Behinderung zu einem Partner und Sexualität kommen kann

Immer wieder lese ich, Menschen mit Behinderung hätten es viel schwerer Sex zu haben! Für Menschen mit Behinderung sei es viel schwerer, bis unmöglich, einen Partner zu finden. Gerade in den sozialen Medien kursieren immer wieder auf solche Aussagen!

Erst kürzlich, als RUNA REISEN Werbung auf Facebook für ein Hotel machte, mit einem Bild von einem Paar, bei denen es offensichtlich gleich zur Sache gehen würde!

Wenn man ein wenig über das Thema recherchiert, findet man oft Fachliteratur in der es hauptsächlich darum geht, ob und mit welcher Behinderung man noch Sex haben kann. Dazu praktische Anleitungen wie es funktioniert bzw. funktionieren kann!

Sexualität – warum denn eigentlich nicht?

Ich möchte hier mal versuchen einen ganz anderen Weg zu gehen. Für mich ist die Antwort ganz klar! Natürlich haben Menschen mit Behinderung Sex, ich jedenfalls habe ihn und hatte tatsächlich nie Probleme damit eine Partnerin zu finden. Jedenfalls gab es in meinem Leben keine längeren Zeiträume ohne Partnerin, wenn man mal von der Kindheit absieht. 😛

Ich möchte auch nicht der Frage nachgehen, wie sie ihn haben und hier auf  „technische Details“, Stellungen oder Hilfsmittel eingehen. Mich beschäftigten viel mehr die Fragen, warum glauben andere Menschen das man keinen Sex hätte? Warum haben einige Menschen mit Behinderung tatsächlich keinen Sex?

Hat die Tatsache, dass ich keine/n Partner/in finde wirklich immer ursächlich mit meiner Behinderung zu tun, oder gibt es da nicht ganz andere Gründe?

Hier ein paar Tipps und Gedanken, wie es vielleicht doch klappen könnte. Vielleicht auch Gründe keine/n Partner/in zu finden, die nicht unmittelbar mit der eigenen Behinderung im Zusammenhang stehen!

Alles andere kann man z.B. hier lesen.

1. Self fullfilling prophecy oder die sich selbsterfüllende Prophezeiung

Oft sind es Menschen mit Behinderung, die sagen oder schreiben, als Mensch mit Behinderung hätten sie keinen Sex. Es sei ja auch extrem schwer, bis unmöglich jemanden zu finden.

Wer will schon einen Partner/in mit Behinderung?

Meine Frage dazu: Wirklich?! Liegt die Ursache hier nur in der Behinderung?

Wie will ich denn eine/n potenzielle/n Partner/in finden, wenn ich selbst nicht daran glaube? Wenn ich meinem Gegenüber vermittle, du bist für mich uninteressant, weil du sicher kein Interesse an mir hast! Oder anders ausgedrückt: wer glaubt sowieso nie jemanden zu finden, der wird sich auch nicht auf die Suche machen und wer nicht sucht, der findet auch nicht!

Wer soll mich denn lieben, wenn ich es selbst nicht tue?

2. Selbstbewusstsein

Kommt von sich seiner selbst bewusst sein. Ich muss mir klar werden und sein wer ich bin. Ich muss mich erst einmal selbst annehmen so wie ich bin! Wenn ich mich selbst nicht attraktiv finde, wenn ich selbst ständig an mir Zweifel, wie soll mich dann mein Gegenüber attraktiv finden? Wir strahlen diese zweifel aus. Sei es in negativen Schwingungen, Energie oder einfach durch Körpersprache und Mimik.

Wenn ich meinem Gegenüber vermittle, ich finde mich selbst nicht ok, kann ich nicht erwarten, dass er mich ok findet!

3. Ausschlussverfahren

Eine typische Kontaktanzeige: Sie sucht Ihn, er sollte nicht unter 1,80 m sein, Nichtraucher, mit beiden Beinen im Leben stehen usw.

Jetzt könnte man wieder sagen: „typisch Nichtbehindert“! Aber machen Menschen mit Behinderung das nicht auch? Wie oft höre und lese ich Sätze von Menschen mit Behinderung wie: Mein Partner, meine Partnerin sollte auf keinen Fall auch eine Behinderung haben.

Ich frage mich häufig: Sind wir nicht selbst geprägt von Bildern im Kopf wie ein Partner eine Partnerin auszusehen oder zu sein hat?

Boris Becker oder Dieter Bohlen kennen nur einen Frauentyp. Vielleicht hätten sie mal erfolgreichere Partnerschaften, wenn sie ihren Horizont erweitern würden.

Anders ausgedrückt – Ich glaube es war Hella von Sinne die mal gesagt hat: „Bisexuell zu sein, erhöht die Chance auf das Doppelte, am Abend doch noch jemanden zu finden mit dem man Sex haben kann!“

Dies soll kein Plädoyer sein, bisexuell zu werden. Es soll nur eines deutlich machen:

Erweitert euren Horizont! Nehmt euch nicht die Chance einen Partner, eine Partnerin zu finden, nur weil sie/er nicht auf den ersten Blick eurem Idealtyp entspricht! Vielleicht ist er/sie es auf den zweiten oder dritten Blick!

4. Stärkenorientiert!

Menschen mit Behinderung lernen allzu oft, sich auf ihre Schwächen zu konzentrieren und sie eventuell so weit wie möglich zu kompensieren – durch Hilfsmittel oder hartes Training!

Bei der Partnerwahl finde ich, geht es nicht darum! Kein Mensch ohne Behinderung würde bei der ersten Begegnung erstmal seine Schwächen aufzählen und präsentieren! Ich weiß, unsere Behinderung sieht man vielen von uns auf den ersten Blick an. Umso mehr sollten wir unsere Stärken herausstellen!

Vielleicht bin ich ja ein sehr guter Zuhörer! Oder ich kann mega tolle Geschichten erzählen! Vielleicht habe ich viel Humor! Kenne mich wahnsinnig auf bestimmten Gebieten aus (dabei sollte man natürlich darauf achten keine Vorträge zu halten).

Stellt das heraus was ihr gut könnt und nicht was ihr nicht könnt. Das sieht man auch so schon an. Zeigt dem Gegenüber was für eine tolle Frau, was für ein toller Mann ihr seid.

5. Nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen!

Wie viele Menschen stellen sich schon bei dem ersten Rendezvous die Frage:

„ Wie soll das denn werden? Kann ich mit dieser Frau, diesem Mann gemeinsam alt werden?“

Das geht für mich gar nicht! Würde mir eine Frau diese Frage auch noch beim ersten Rendezvous stellen, ich würde gleich weg rollen!

Lasst es doch einfach auf euch zukommen! Wie es weiter geht wird man dann schon sehen!

6. Mein Problem nicht zu seinem/ihrem Problem machen!

Vielleicht habt ihr noch ein Problem damit, in manchen Dingen beeinträchtigt zu sein. Vielleicht auch damit, dass andere Menschen euch hinterher schauen! Ihr habt vielleicht Angst davor, dass sie noch mehr schauen wenn ihr in Begleitung seid!

Vielleicht ist das aber gar kein Problem für eine Partnerin, einen Partner! Vielleicht liebt er oder sie es sogar, wenn Menschen Euch hinterher schauen! Vielleicht stellt Eure Beeinträchtigung für ihn oder sie gar kein Problem dar!

Also, stellt doch eine mögliche Beziehung nicht schon in Frage bevor sie angefangen hat, nur weil Ihr glaubt er oder sie könnten mit bestimmten Voraussetzungen Probleme haben.

Wenn Probleme dann in einer Beziehung auftreten, sprecht darüber offen und ohne gekränkt zu sein oder zu kränken. Nach dem Motto, ich wusste es doch von vornherein!

7. Keine Angst vorm Scheitern

Ja, auch ich habe mir schon die Frage gestellt, was mache ich wenn sie „nein“ sagt. Wenn sie mich ablehnt! Nun bin ich aber, wie an anderen Stellen schon oft geschrieben, ein sehr positiv denkender Mensch. Das heißt nicht, dass ich ein nein nie erwarten würden! Als ich noch Single war habe ich mich immer gefragt: „Was hast du denn zu verlieren?“  Die Antwort ist: „Nichts!“

Als ich noch Single war und mir eine Frau begegnete die ich interessant fand, habe ich sie angesprochen! Wenn sie nein gesagt hat, hat sich mein Status nicht verändert! Wenn sie ja gesagt hat, habe ich gewonnen! Klar, unter Umständen kann einem das einen Knacks im Selbstbewusstsein geben. Meine Antwort darauf war, Schade es hätte echt schön werden können mit uns!

Habt also Mut, Scheitern kann auch eine Erfahrung sein, die Euch weiter bringt, aus der Ihr lernen könnt! Alleine seid ihr schon und rein statistisch erhöht sich eure Chance auf ein „Ja“ mit jedem weiteren „Nein“. Denkt mal drüber nach.

8. Hinweise deuten, Zeichen erkennen!

Ich arbeite viel mit Kindern, aber auch mit Erwachsenen! Würde ich z.B. nicht erkennen ob es einem Kind gut oder schlecht geht, ob es etwa Angst vor mir hat oder mir vertraut, ob es ein Problem mit mir hat, oder gerne mit mir zusammen ist, könnte ich nicht in meinem Beruf arbeiten!

Klar es gibt Menschen die das besser und Menschen die das schlechter beherrschen. Aber jeder kann sich darin verbessern. Man kann lernen Menschen besser zu lesen! Dazu gibt es eine Menge von Techniken und Methoden!

Wenn ich diese beherrsche, kann es auch leichter sein einen Partner zu finden!  Ein gutes Buch zu diesem Thema kann ich Dir auch empfehlen. Du findest es hier: Ohne Worte: Was andere über dich denken

Ein zugegeben sehr einfaches und vielleicht überspitztes Beispiel:

Wenn eine Frau einen großen Abstand zu mir hält, keinen Blickkontakt aufbaut und sich lieber mit anderen als mit mir unterhält, ist die Wahrscheinlichkeit gering mit ihr eine Beziehung einzugehen!

Sitzt eine Frau auf meinem Schoß und knabbert mir dabei noch am Ohr, brauche ich mir nicht mehr die Frage stellen, ob sie mich wohl attraktiv findet!

Ihr versteht schon worauf ich hinaus will…

Mein persönliches Fazit / Meine Erfahrung

Natürlich hatte ich nicht schon immer diese Einstellungen und Erkenntnisse! Meine ersten Versuche eine Partnerin zu finden sind oft kläglich gescheitert. Aber ich habe daraus gelernt und je mehr mir die oben genannten Punkte bewusst waren, je Selbstbewusster ich wurde und Zeichen deuten konnte, desto besser lief es!

Heute bin ich 52 Jahre und glücklich seit 13 Jahren verheiratet. Ich brauche also nicht mehr zu suchen. Als ich meiner Frau begegnet bin, auf einem Seminar, war ich gar nicht auf der Suche.

Ich hatte gerade eine nicht so gute Beziehung hinter mir. Dennoch war ich offen für Neues! Sie sendete mir Signale und ich ihr. Als ich ihr beim Bowlen das erste Mal die Hand reichte und wir daraufhin uns gefühlte Stunden nicht mehr los ließen, war alles klar!

Ein Jahr später kam unser gemeinsamer Sohn zur Welt, der nicht durch Windbestäubung entstanden ist.  😉

Also seid offen und traut Euch! In diesem Sinne: Runter vom Sofa und auf in die Welt der Singles!

Euer Jürgen

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