Darf er das?

Jetzt habe ich schon lange keinen Blogbeitrag mehr geschrieben. Das hatte mehrere Gründe, von dem ich aber nur einen nenne. In letzter Zeit habe ich viel an einem Comedy-Kabarett Programm geschrieben und dieses natürlich auch geprobt. So blieb wenig Zeit für andere Dinge. Meinen ersten Auftritt hatte ich auch schon, mit dem ich auch insgesamt sehr zufrieden war.

Wer ist hier eigentlich behindert?

Der Name des Programms heißt: Wer ist hier eigentlich Behindert? Wie ihr dem Titel vielleicht schon entnehmen könnt, geht es unter anderem um die Frage, wie behindert fühle ich mich? Wie nehmen mich andere wahr und wie nehme ich mich selbst wahr! Wann kann man überhaupt über eine Behinderung sprechen und ist manchmal auch der von einer Behinderung betroffen, der das selbst gar nicht so empfindet? Das ganze komisch, witzig und mit einem Augenzwingen aufbereitet.

Ich persönlich bin schon immer recht humorvoll mit meiner Behinderung umgegangen! In meiner Arbeit beim Circuszentrum Balloni, konnte ich als Moderator verschiedener Aufführungen viel Bühnenerfahrung sammeln. In dieser Arbeit gebe ich auch „unseren Kindern“ Tipps und Anregungen wie man sich auf der Bühne gibt. Auch konnte ich von Erfahrungen professioneller Künstler profitieren. So war es für mich nur eine logische Konsequenz, selbst ein Programm zu schreiben und dieses auch aufzuführen.

Darf er das und warum schreibe ich dazu einen Blogbeitrag?

Zum einen angeregt eben durch mein Programm und warum ich das mache. Zum anderen aber auch durch einen Bekannten, der via Facebook und Twitter diese Frage aufgeworfen hat. Insbesondere, so denke ich, bezogen auf Comedians bzw. einen der diese Frage immer wieder aufwirft. Also habe ich gedacht, dass ist ein Thema dem ich mal einen Blogbeitrag widmen kann.

Harald Schmidt hat Recht!

Harald Schmidt hat einmal sinngemäß gesagt:

„Wenn ich keine Witze über Minderheiten mache, über alle anderen aber schon, schließe ich diese Gruppen aus.“

Meine Antwort darauf ist ein klares ja und ein nein! Ich denke es ist sehr wichtig, in welchem Kontext dies geschieht und welche Motivation dahinter steckt. Wenn ich Witze über Menschen mit Behinderung mache, nur um einen billigen Lacher zu kassieren. Wenn ich mich durch diese Witze auf eine andere Stufe Stelle als Menschen mit Behinderung, dann ist das weder hilfreich noch für irgendetwas gut. Dann ist es schädlich! Erst recht dann, wenn ich selbst nicht betroffen bin.

Wenn ich aber mit Respekt an die Sache ran gehe, hat das eine andere Dimension. Für mich ist es sehr wichtig, wer diese Witze macht! Wenn ich mich in meinem Programm über mich selbst und auch mal über andere Menschen mit Behinderung lustig mache, kann ich auch mal Grenzen ausloten. Dabei darf ich aber nie den Respekt vor Menschen verlieren. Wichtig finde ich auch, dass ich eben nicht nur Witze über Menschen mit Behinderung mache! Vielmehr sollte in diesen Witzen bzw. im gesamten Programm eine Botschaft stecken.

Meine Botschaft ist und war immer: Ich bin im Inneren nicht anders als jeder andere. Ich unterscheide mich lediglich dadurch, dass ich im Rollstuhl sitze. Meine Botschaft lautet weiterhin: Wir haben alle unsere Grenzen oder auch Beeinträchtigungen. Bei mir fallen sie gleich ins Auge: Ich kann nicht laufen. Andere dagegen haben Beeinträchtigungen, die man ihnen nicht ansieht, die aber viel schwerer wiegen können. In meinem Programm spiele ich nicht nur mit meiner oder anderen Behinderungen, ich spiele auch mit unserer Sprache.

Nur zwei Zitate aus meinem Programm, zum Thema Beziehung zu Frauen

„ Ich habe es nicht leicht eine Frau kennen zu lernen, schließlich bin ich nicht der Typ Mann der den ersten Schritt macht.“

„ Meine Frau konnte gar nicht anders als mit mir zusammen zu kommen, ich habe sie förmlich mit meinen Avancen überrollt.“

Wenn das alles Berücksichtigung findet, dann lautet meine Antwort: JA!

Dann kann man vielleicht auch etwas bewirken.

Gut finde ich erstmal, dass sich etwas entwickelt. Vor zwanzig Jahren wäre das Interesse an einem Comedian im Rollstuhl nicht vorhanden gewesen. Bei meiner Aufführung war das Interesse überwältigend. In diesem Zusammenhang, vielen Dank nochmal.

Wenn also mehr Menschen durch Humor in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, kann das nur gut sein. Mein Motto lautet: „ An dem Tag an dem ich meinen Humor verliere, verliere ich auch alles andere.“

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen Tag, an dem ihr viel zu lachen habt!

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