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Blogbeitrag

Barrierefrei in Niederbayern?

Meine Reise ins Altmühltal

Vom 21.10.-24.10.2019 war ich mit meiner Familie im Landkreis Kelheim. Eine Reise die wir so gar nicht geplant hatten. Ich muss gestehen, dass wir was unsere bisherigen Reisen angeht, den süddeutschen Raum immer etwas vernachlässigt haben. Bisher zog es uns immer an die See oder ins Ausland. Im Süden Deutschlands war ich immer nur auf der Durchreise oder in München.

Im Juli diesen Jahres bekam ich dann eine nette und interessante Mail von Frau Meitinger vom Tourismus Verband Landkreis Kelheim. Durch meinen Blog auf mich aufmerksam geworden, lud sie mich ein, ein paar Tage den Landkreis zu besuchen und mir anzuschauen was dort in Bezug auf barrierefreien Urlaub alles in den letzten Jahren auf den Weg gebracht wurde und was noch entstehen soll. Nachdem wir einige Male hin und her schrieben, legten wir einen Termin fest und so starteten wir am 21.10. in Richtung Riedenburg, einer Kleinstadt im Altmühltal.

Gasthof Schwan Riedenburg

Hier waren wir für 3 Nächte im Gasthof Schwan untergebracht, welcher über zwei barrierefreie Zimmer verfügt. Der Gasthof Schwan wurde schon im siebzehnten Jahrhundert erbaut, seit 2014 wird es von Frau Schmid geführt. Er wurde saniert, modernisiert und weitgehend barrierefrei gestaltet. Rollstuhlfahrer können über einen hinteren Eingang ins Gebäude gelangen, den man über einen leider noch unebenen, nicht asphaltierten Parkplatz erreicht, dies soll sich aber in naher Zukunft noch ändern. Am Haupteingang befinden sich Stufen. Wir fühlten uns trotz der kleineren Einschränkungen sehr wohl dort. Es herrschte eine angenehme, familiäre Atmosphäre.

Gasthof Schwan Riedenburg

Riedenburg

Riedenburg liegt am Main-Donau-Kanal und ist geprägt von seinen schönen alten Bauten und der grandiosen Lage. Alles wirkt irgendwie altertümlich, gemütlich und doch modern. Die Touristeninformation ist barrierefrei zugänglich und verfügt über einen digitalen Infopoint, der für Menschen mit Behinderung gut erreichbar ist und an dem man alle wichtigen Informationen über die Region erhält. In Riedenburg selbst, haben wir uns geführt von der Rangerin Lucia Gruber, den Naturpark Riedenburg angeschaut. Empfehlenswert ist der Aussichtspunkt „Schwammerl“, der einen tollen Ausblick über das Altmühltal bietet.

Ein einzigartiges Erlebnis welches in mir gleich die Assoziation einer Miniaturlandschaft aufwarf, die wie gemalt vor uns lag. Leider Jahreszeit bedingt, an diesem Tag in dichtem Nebel gehüllt.

Am Main-Donau-Kanal, kann man entlang eines Kunstwegs vorbei an Fels und Fluss gemütlich flanieren und dann über ein weiteres Wahrzeichen (der mit 200m Länge, längsten Holzbrücke Europas), dem Tatzlwurm den Kanal überqueren und sich den nahe gelegenen Ort Essing anschauen, der vor einem überwältigendem Jura Felsmassiv erbaut wurde.

Anschließend haben wir noch das Kristallmuseum mit der angeschlossenen Fasslwirtschaft besucht. Das Kristallmuseum bietet einen wunderbaren Einblick in die Welt der Kristalle und Edelsteine. Nach dem Besuch kann man es sich in der Fasslwirtschaft gemütlich machen und regionale Kost genießen.

Kelheim

Die am Main-Donau-Kanal gelegene historische Stadt ist der Mittelpunkt des Altmühltals. Hier erlebt man Geschichte und Natur hautnah. Über der Stadt thront beeindruckend die Befreiungshalle. Von hier aus starten Ausflugsschiffe durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg. Wir haben erstmal eine barrierefreie Stadtführung durch Kelheim gemacht, in der uns Frau Maria Thoma-Schmidt alles Wichtige über die Stadt und ihre Historie erzählt hat. Treffpunkt war die barrierefreie Tourist Information Kelheim, die auch über einen digitalen Infopoint verfügte. Natürlich, wie könnte es anders sein, spielt das Brauen und der Verzerr von Bier in Kelheim eine große Rolle, so haben wir bei einem leckerem Bier unser Mittagessen in der ältesten Weißbierbrauerei, dem Weißen Brauhaus genossen.

Befreiungshalle Kelheim

Die Befreiungshalle Kelheim ist ein fundamentales Denkmal, das König Ludwig der erste von Bayern, als Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon bauen ließ. Sie wurde 2017 restauriert, über einen Außenaufzug ist sie gut zugänglich. Die Halle ist mit dem Signet „Bayern Barrierefrei„ ausgezeichnet.

Sowohl von innen als auch von außen ist die Befreiungshalle sehr beeindruckend, beim Rundgang um die Halle, hat man tolle Aussichten. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

Schifffahrt durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg

Eines der beeindrucktesten Erlebnisse vor Ort ist sicher die Fahrt durch den Donaudurchbruch.

Am besten geeignet für Rollstuhlfahrer sind die Schiffe MS Renate und MS Kelheim, diese sind ausgezeichnet mit dem Signet „Bayern Barrierefrei“ und verfügen über einen Aufzug, der es auch Rollstuhlfahrern ermöglicht auf das Sonnendeck zu gelangen. Von hier aus kann man die etwa ein stündige Fahrt, bei gutem Wetter, so richtig genießen. Sie führt vorbei an beeindruckenden Kulissen und steil aufragenden Felsgestein durch das sich die Donau ihren Weg gebahnt hat.

Kloster Weltenburg

Nach der Fahrt durch den Donaudurchbruch, legt das Schiff am Kloster Weltenburg an. Von der Anlegestelle aus führt ein ebener Weg am Donauufer zum Kloster. Hier kann man es sich gemütlich machen im großen Biergarten und Bier aus der ältesten Klosterbrauerei genießen. Übrigens kann man auch im Kloster übernachten, es bietet auch drei barrierefreie Zimmer an. In die Klosterkirche kann man nach Voranmeldung über  eine Rampe gelangen, diese ist allerdings sehr steil.

Fazit unserer Reise

Das waren die Highlights unserer Reise, natürlich gibt es noch einiges mehr zu sehen. Schließlich befinden sich auch in der Umgebung einige Burgen. In einer Burg waren wir auch essen: In der Ritterschänke an der Burg Randeck. Das Essen war hervorragend und die Aussicht phänomenal.

Für uns hat sich die Reise auf jeden Fall gelohnt. Der Landkreis Kelheim bietet viel sehenswerte und wunderschöne Landschaften, viele kleine und größere Ortschaften und eine tolle Gastronomie mit vielen regionalen Köstlichkeiten. Die Menschen hier empfanden wir als überaus freundlich und gastlich.

Übrigens ist der Landkreis Kelheim auch unweit der Grenze zu Österreich und Tschechien, somit auch hervorragend für Zwischenstopps geeignet.

Barrierefreiheit

Die Barrierefreiheit war bei allen beschriebenen Highlights gegeben, überall befanden sich Behindertentoiletten und die Zugänge waren ebenerdig. An den digitalen Infopoints kann man sich gut informieren. Außerdem gibt es zum Thema Barrierefreiheit Broschüren in den Tourist Informationen.

Was man aber sicherlich bedenken sollte ist, dass es naturgemäß in dieser Region bergauf und bergab geht. Hier ist auf jeden Fall Muskeltraining angesagt, ein starker Schieber von Nöten oder ein elektrischer Rollstuhl, bzw. Zuggerät. Empfehlen würde ich auch auf jeden Fall mit dem eigenen PKW anzureisen, da man nur so die Region gut erkunden kann und gerade zu den Burgen oder der Befreiungshalle, nur steile Straßen führen.

Da die meisten Städte, so auch Kelheim und Riedenburg historische Stadtkerne haben, befindet sich dort auch viel Kopfsteinpflaster. In Kelheim führt meist ein mit Platten gepflasterter Weg am Kopfsteinpflaster vorbei, in Riedenburg kommt man am Kopfsteinpflaster aber nicht drum herum. Allerdings ist dies jetzt auch kein sehr grobes Pflaster. Davon sollte man sich auf keinen Fall abhalten lassen diese Städte zu besuchen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, kann sich bei Fragen gerne an mich wenden oder noch besser an die Touristen Informationen Kelheim oder Riedenburg.


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Von Jürgen Klug

Wer bin ich?
Das ist eine gute Frage, die sich jeder schon mal gestellt hat. Manch einer findet darauf nur schwer eine Antwort. Meine Antwort darauf ist vielfältig, denn ich bin vieles!
Beruflich bin ich seit 2008 Reiseberater, beim größtem Reiseveranstalter für Menschen mit Behinderung. Für diesen fahre ich auf Messen, berate Kunden, schaue mir neue Unterkünfte an und überprüfe diese auf Barrierefreiheit.

Ich bin aber auch Trainer im Circuszentrum Balloni e.V.. Dort unterrichte ich Kinder und Jugendliche in Circuskunst und biete Fortbildungen in Circuspädagogik für Mitarbeiter und Auszubildende in pädagogischen Berufen an.

Privat bin ich seit 2004 Vater eines Sohns, seit 2005 Ehemann einer wunderbaren Frau. Ich beschäftige mich viel mit Musik und spiele selbst Gitarre, ab und an spiele ich auch mal in Pup`s oder bei kleineren Veranstaltungen. Ich lese viel, gern und eigentlich alles was ich in die Finger bekomme und ich interessant finde.
Außerdem beschäftige ich mich sehr viel mit Autos, am liebsten würde ich ständig ein anderes Auto fahren, womit ich meine Frau fast in den Wahnsinn treibe.
In diesem Jahr habe ich an einen Projekt mitgewirkt, in dem Flüchtlinge und Soester gemeinsam ein Theaterstück entwickelt und aufgeführt haben.

Geboren bin ich in Duisburg, dort habe ich auch eine Ausbildung zum Erzieher gemacht, danach hat es mich nach Bochum verschlagen wo ich Heilpädagogik studiert habe. Abgeschlossen habe ich das Studium nicht, stattdessen habe ich in Bochum ein paar Jahre für ein Sanitätsunternehmen gearbeitet. Danach bin ich nach Soest gezogen, wo ich seit 2002 wohne.

Ja, und ich bin Rollstuhlfahrer, seit mittlerweile mehr als dreißig Jahren, aufgrund einer angeborenen spinalen Muskelatrophie.
Im Gegensatz zu vielen Menschen denen ich begegne, spielt meine Behinderung in meinem Leben nur eine untergeordnete Rolle, weshalb ich diesen Punkt hier auch als letzten anführe!

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