Radtour und Wattwanderung mit Rollstuhl

Es sind Sommerferien! Wie viele Familien haben meine Frau und ich uns schon Anfang des Jahres Gedanken darüber gemacht, wie und wo wir einen Teil der Sommerferien verbringen möchten. Da meine Frau erst kürzlich wieder eine neue Stelle angenommen hat und auch ich nur wenig Urlaub in diesen Sommerferien habe, sollte der Urlaubsort nicht so weit weg sein.

Wie macht eine Familie mit einem Rollstuhlfahrer Urlaub?

Also haben wir uns entschlossen eine Woche an die See zu fahren, nach Cuxhaven. Gleich zu Beginn der Sommerferien in NRW sind wir los. Im Gepäck alles was man so als Familie im Urlaub braucht und mein Handbike! Hier möchte ich über meine persönlichen Highlights in diesem Urlaub berichten.

Handbike fahren entlang des Wattenmeers

Seit vier Jahren bin ich stolzer Besitzer eines E-Handbikes von Stricker, mit dem ich auch in Soest viel unterwegs bin. Bei einem Urlaub an der See darf es natürlich nicht fehlen. Meine Frau und mein Sohn haben sich Fahrräder vor Ort geliehen, ihre eigenen hätten wir nicht auch noch ins Auto bekommen.

Da wir überwiegend super Wetter hatten, sind wir also viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Cuxhaven bietet tolle Strecken zum Radfahren. Leider finde ich die Radwege nicht immer optimal, da sie oft steinig und sandig sind. Aber im Großen und Ganzen sind es schöne Strecken. Vor allem kann man herrlich am Wasser entlang fahren: Von der Alten Liebe über Döse, Duhnen, Sahlenburg bis rauf nach Berensch. Da mein E-Handbike über eine, wie der Name schon sagt, elektronische Unterstützung verfügt, muss ich mich eher dem Tempo meiner Familie anpassen als umgekehrt. Manchmal vergesse ich das ganz und schlage ein zu hohes Tempo an.

Mit dem Handbike in den Nordsee-Urlaub in Cuxhaven
Schneller als mein Schatten 😉

In der Regel sind wir aber ganz entspannt zusammen gefahren. Wir sind aber nicht nur mit dem Rad gefahren. Cuxhaven bietet einiges was man als Familie gemeinsam machen kann.

Fischerei und Wrackmuseum Windstärke 10 mit Rollstuhl

An einem Tag waren wir im Windstärke 10, einem Fischerei- und Wrackmuseum am Fischereihafen Cuxhaven. Ein wirklich schönes und informatives Erlebnis für die ganze Familie. Das Museum gibt es seit 2013, es ist komplett barrierefrei. Hier erfährt man alles über die Fischerei und Seenotrettung. Besonders schön finde ich, dass Kindern am Eingang ein kleines Heft gereicht wird, in dem sie ein paar Aufgaben lösen müssen. Die Lösungen gibt es natürlich alle im Museum. Man muss nur nach ihnen suchen. So sind die Kinder mit viel Interesse bei der Sache und schauen sich alles ganz genau an. Wer mehr erfahren möchte findet hier alle Informationen.

Wattwandern mit Rollstuhl

Im Cuxhaven-Urlaub mit dem Wattmobil als Rollstuhlfahrer ins Watt
Im Cuxhaven-Urlaub mit dem Wattmobil als Rollstuhlfahrer ins Watt

Das für mich und meine Familie schönste Erlebnis war eine gemeinsame Wattwanderung. Watt und Rollstuhl schließen sich eigentlich aus, nicht jedoch in Sahlenburg. Im Oktober 2014 wurde in Sahlenburg das neue Wattenmeer-Besucherzentrum gebaut und 2015 eröffnet. Das Besucherzentrum ist komplett barrierefrei. Der Besuch ist kostenlos. Wir sind also an einem Tag hin und haben uns das Zentrum angeschaut. Im Besucherzentrum erfährt man erstmal alles über das Wattenmeer und seine „Bewohner“. Von der Terrasse aus, oder durch die große Panoramascheibe in der ersten Etage hat man einen sensationellen Blick über das Wattenmeer. Alleine für diesen Anblick lohnt sich schon ein Besuch.

Wer nicht nur theoretisch etwas über das Wattenmeer erfahren möchte, der kann eine Wattwanderung buchen. Was wir auch getan haben. Kostenlos bekommt man als Rollstuhlfahrer einen Wattrollstuhl zur Verfügung gestellt. Klar, einen Wattrollstuhl kann man nicht selbstständig benutzen. Selbst das schieben ist natürlich auf dem Untergrund schwer. So braucht man schon fleißige und kräftige Schieber. Bei unserer Wanderung gab es aber sofort jede Menge Unterstützung, so dass meine Frau und mein Sohn sich immer wieder ablösen lassen konnten.

Auch die Mitarbeiter vom Besucherzentrum boten bereitwillig Hilfe an. Überhaupt, fand ich die Stimmung im Besucherzentrum super. Man spürt, dass es den Menschen Spaß macht, dort zu arbeiten und sich für das Wattenmeer zu engagieren.

Alle Mitarbeiter waren sehr freundlich und haben gerne alle Fragen beantwortet. Die Mitarbeiter sind übrigens zum Teil ehrenamtlich oder machen ein freiwilliges Jahr. So wie unser Wattführer.

Die Wattwanderung dauer über drei Stunden, wobei man sich davon ca. zwei Stunden im Wattenmeer befindet. Während der Wanderung werden kleine und kleinste Lebewesen eingesammelt, die wir uns nach der Wanderung in einem gesonderten Raum noch einmal alle unter dem Mikroskop anschauen konnten.

An diesem Tag haben wir sehr viel über das Weltkulturerbe und den Nationalpark Wattenmeer gelernt. Ein großartiges Erlebnis, dass sich sehr lohnt und ich nur jedem empfehlen kann.

Das Besucherzentrum vom Wattenmeer aus! Wer mehr erfahren möchte klickt hier.

Cuxhaven mit Rollstuhl

Insgesamt kommt man mit dem Rollstuhl in Cuxhaven gut zurecht. Nicht nur Windstärke 10 und das Besucherzentrum sind auf Besucher im Rollstuhl eingestellt. Auf den Strandpromenaden kommt man mit dem Rolli gut voran. Es gibt auch rollstuhlgerechte Strandzugänge in Cuxhaven. Selbst eine Kutschfahrt nach Neuwerk ist mit Hilfe von Rampen möglich. Das haben wir allerdings noch nicht ausprobiert. Vielleicht beim nächsten mal.

Selbstverständlich kann man auch eine Fahrt mit einem Schiff zu den Robbenbänken machen. Meine Familie war nicht zum ersten Mal in Cuxhaven und es wird sicher auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Eine persönliche Tradition hat bei uns schon, sich fangfrische Krabben am Fischereihafen zu kaufen und diese selbst zu puhlen. Mit etwas Knoblauch anbraten. Schmeckt super.

Wir hatten einen tollen und ereignisreichen Urlaub wie ihr sehen könnt!

Unsere rollstuhlgerechte Unterkunft in Cuxhaven findet ihr übrigens hier.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.